Patient gibt den Takt vor

Leider ist das 40-seitige Bibliomed-Dossier zum Thema Palliative Pflege nicht mehr gratis online verfügbar. Es enthielt neun Artikel der vergangenen drei Jahre zum Themenbereich, darunter meinen Fachbeitrag zur Symptomkontrolle in der Palliative Care. Allerdings ist mein Feature zur Palliativstation des Krankenhauses St. Vincentius in Heidelberg noch online und frei zugänglich. Viel Freude beim Lesen!

Worte, die wirken

„Sprechende Medizin“ ist eine ärztliche Intervention, welche die Kommunikation zwischen Arzt und Patient als Wirkfaktor versteht. Bei der pflegerischen Kommunikation ist das nicht anders. Dieser Beitrag erschien in der Dezemberausgabe (2017) der Zeitschrift „Die Schwester/Der Pfleger“. Er zeigt, dass Kommunikationsarbeit kein „Nice-to-have“, sondern integraler Bestandteil der Pflege unheilbar kranker Menschen ist. Viel Freude beim Lesen.

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Sterbebegleitung versus Sterbehilfe

In der Palliativmedizin geht es vor allem um das Leben mit einer schweren Erkrankung, nicht um das Sterben oder um „Sterbehilfe“, schon gar nicht um „aktive Sterbehilfe“. Dennoch kommt es diesbezüglich immer wieder zu Missverständnissen.

Palliative Care leistet Hilfe beim Sterben, jedoch nicht Hilfe zum Sterben im Sinne eines aktiven Beschleunigens des Todeseintritts. Palliative Care verbessert die Lebensqualität von Menschen mit einer nicht heilbaren Erkrankung mit begrenzter Lebenserwartung. Die Tabelle stellt wichtige Begriffe im Zusammenhang mit der Sterbehilfe gegenüber.

Tab. Sterbehilfe


Selbstverständlich werden professionelle Palliative-Care-Mitarbeiter immer wieder mit Sterbewünschen konfrontiert. Ein solcher Patientenwunsch muss in jeden Fall ernst genommen werden. Häufig stecken aber dahinter andere Bedürfnisse, z.B. der Wunsch nach einer Perspektive oder der Wunsch nach Linderung von Leid. Das wichtigste in dieser Situation ist Zeit, um mit dem Patienten über dessen Wünsche und Ängste zu sprechen und alternative Optionen zur Leidensminderung aufzuzeigen. Dazu gehört u.a. „eine umfassende Aufklärung über Möglichkeiten der medikamentösen und nicht medikamentösen Schmerz- und Symptomkontrolle, u.U. auch die Option der palliativen Sedierung, Therapieverzicht und Therapiebegrenzung sowie der freiwillige Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit“.

Mit Morphin „totgespritzt“?

Selbst Mediziner und Pflegende fürchten, dass eine Morphintherapie bei Palliativpatienten das Leben signifikant verkürzt. Dieser Zusammenhang ist bei fachgerechtem Umgang nicht nachgewiesen. Patienten sterben aufgrund ihrer fortgeschrittenen Erkrankung, nicht wegen des Morphins. Sollte dennoch als Folge einer (indizierten) Morphingabe der Tod eintreten, ist dies im Sinne der indirekten Sterbehilfe ohne rechtliche Folgen.

Neuauflage Pflege konkret – Innere Medizin

Mehr zum Thema lesen Sie in dem aktualisierten Lehr- und Nachschlagewerk Pflege konkret – Innere Medizin. Die 7. Auflage ist vorige Woche erschienen und enthält erstmalig ein eigenes Kapitel zur Palliative Care:

Geist M, Wenner M. Palliative Care. In: Kurz A, Rey H. Pflege konkret – Innere Medizin. München 2018, Elsevier